Difu-Berichte 1/2001 - Energie sparen - Kosten reduzieren
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Das vorrangige Ziel des kommunalen Energiemanagements besteht darin, den Energie- und den Wasserverbrauch und damit die Betriebskosten der kommunalen Gebäude zu senken sowie - angesichts der Gefahr einer Klimaveränderung - Einfluss auf eine umweltverträgliche Energieversorgung und -nutzung zu nehmen. Vor diesem thematischen Hintergrund trafen sich am 9. und 10. November 2000 etwa 180 Energiebeauftragte aus allen Teilen Deutschlands zum 6. Deutschen Fachkongress der kommunalen Energiebeauftragten in Garbsen. In 20 Workshops und einer Vielzahl von Pausengesprächen diskutierten sie intensiv verschiedene Wege, die zur Verbrauchs-, Kosten- und Schadstoffreduzierung führen können. Dabei gab es nicht nur Erfolge zu vermelden, sondern auch von dem einen oder anderen Rückschlag wurde berichtet. Aber sowohl aus den positiven als auch den negativen Erfahrungen werden Rückschlüsse auf die erfolgreiche Gestaltung zukünftiger Strategien gezogen. Im Rahmen des Kongresses wurden folgende Themenbereiche bearbeitet: Eine Aufgabe der Energiebeauftragten in Kommunen, die zwar keine Energieeinsparung, jedoch meistens eine Kostenreduktion bewirkt, besteht in der Kontrolle der Verbrauchskosten, des Brennstoffeinkaufs und des Energiebezugs. Zu diesem Aufgabenbereich gehören nicht nur die Prüfung von Energierechnungen und die Dokumentation, Auswertung sowie Kontrolle der Energie- und Wasserkosten, sondern auch die Optimierung der Wärme- und Stromtarife bzw. Lieferverträge und der Abschluss, die Kontrolle sowie die Anpassung von Energielieferungs- bzw. -bezugsverträgen. Nach Einschätzung von Energiebeauftragten bietet ihnen die Liberalisierung der Energiemärkte die Chance, ihr Kompetenzspektrum in diesem Zusammenhang zu erweitern. Im Themenbereich "Liberalisierung des Strommarkts" diskutierten Energiebeauftragte ihre bisherigen Erfahrungen bezüglich der Chancen und Risiken, die sich mit der Öffnung des Strommarkts ergeben. Risiken liegen ihrer Ansicht nach in den niedrigen Strompreisen, die zur Unrentabilität von Maßnahmen zur Reduzierung des Stromverbrauchs führen können, sowie im prinzipiellen Zwang zur Ausschreibung von Stromlieferverträgen, die unter Umständen die gewachsene Zusammenarbeit mit den kommunalen Energieversorgern infragestellen können. Chancen werden vorrangig in der Vereinfachung von Tarifstrukturen und internen Verwaltungsabläufen, aber auch in der Kopplung von Energielieferung und -dienstleistung seitens der Energieversorger gesehen. Diese Chancen sollten von den Energiebeauftragten aufgegriffen und aktiv ausgestaltet werden. In den letzten Jahren ist der Stromverbrauch in kommunalen Gebäuden und Einrichtungen fast überall angestiegen. Unter der Überschrift "Stromsparen" wurde diskutiert, ob technische und wirtschaftliche Einsparpotenziale in diesem Bereich zu erschließen sind. Dabei war festzustellen, dass sich das Stromsparen insbesondere im EDV-Bereich sehr komplex, vielschichtig und umstritten darstellt, jedoch in den Verwaltungen noch kaum diskutiert wird - und das, obwohl die zunehmende Ausstattung mit EDV-Technik wesentlich dazu beiträgt, dass die Stromkosten in der Regel die Heizkosten innerhalb der Gebäude übersteigen. Vielfach wird für EDV mehr Energie aufgewendet als für die Beleuchtung. Leichter lassen sich hingegen Maßnahmen zur Stromeinsparung im Bereich der Straßenbeleuchtung realisieren. Untersuchungen in Niedersachsen haben ergeben, dass sowohl die Stromkosten als auch die Wartungskosten für die Straßenbeleuchtung in unterschiedlichen Kommunen um mehrere hundert Prozent differieren. Vor diesem Hintergrund wurden exemplarisch realisierte Sanierungsmaßnahmen der Gemeinde Isernhagen vorgestellt und diskutiert, um so Anregungen für wirtschaftliche Maßnahmen und deren Finanzierung zu geben. Als ein weiterer Stromverbraucher in Kommunen sind die Heizungsanlagen von Bedeutung und dort insbesondere der Betriebsstromverbrauch. In diesem Bereich ist eine Reduzierung des Pumpenstromverbrauchs und der Stand-by-Verluste um bis zu 90 Prozent möglich. Dazu müssen entsprechende Grenzwerte definiert werden. Um hierbei eine Zusammenarbeit mit der Industrie zu ermöglichen, wurde auf dem Kongress ein geschlossenes Vorgehen mehrerer Städte und Gemeinden vorgeschlagen, die in gemeinsamer Diskussion neue Standards erarbeiten und gegenüber den Herstellern vertreten. Die Durchführung eines Energiemanagements ermöglicht es, die vorhandenen Potenziale zur Energieeinsparung im kommunalen Gebäudebestand zu erschließen. In den Workshops zum Themenbereich "Gebäudesanierung" wurden dazu exemplarische Lösungsansätze diskutiert. Der Bogen spannte sich dabei von der Anwendung von Energiekennwerten zur Ermittlung von Sanierungsbedarf über die Priorisierung einzelner Sanierungsmaßnahmen bis hin zur Finanzierung von Maßnahmen. Viele Kommunen wägen aufgrund nicht oder nur sehr knapp vorhandener finanzieller Mittel genau ab, welche Maßnahmen realisiert werden können. Eines der Zauberwörter, um der finanziellen Not zu entkommen, ist "Contracting". Diese Form der Finanzierung mit externen Geldern wird von Kommunen vorwiegend im Bereich der Heizungssanierung - zunehmend auch zur Finanzierung von Gebäudeleittechnik - genutzt. Die Verantwortlichen in den Kommunen sind dabei oft gezwungen, ohne ausreichende Hintergrundinformationen und Einschätzung der Erfolgsaussichten zu handeln, so dass weniger betriebliche Praxiserfahrungen als vielmehr vollmundige Versprechungen von Contracting-Anbietern die Entscheidungsfindung beeinflussen. Angesichts dieser Situation wurden auf dem Fachkongress konkrete Erfahrungen mit Contracting- Vorhaben dargestellt und in der Diskussion um das Für und Wider dieses Instrumentes zur Heizungssanierung zusätzliche Entscheidungshilfen angeboten. Eine Reihe von Untersuchungen und praktischen Erfahrungen aus Städten belegt, dass das Nutzerverhalten sowohl den Heizenergie- als auch den Stromverbrauch von Gebäuden nachweisbar beeinflusst. Auch der Einsparerfolg von investiven Maßnahmen hängt in hohem Maße von der Bedienung der technischen Anlagen und vom Nutzerverhalten ab. Daher wurden unter dem Stichwort "Energiesparaktionen" Maßnahmen diskutiert, die Städte ergriffen haben, um die Nutzer von öffentlichen Gebäuden (Schulen, Kindertagesstätten und Verwaltungsgebäude) zu energie- und wassersparendem Verhalten zu motivieren. Dabei setzten die Städte auf Einsicht statt auf Anweisungen und auf die Eigenverantwortlichkeit der Gebäudenutzer. |
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Weitere Informationen: Dr. Annett Fischer Telefon: 030/39001-110 E-Mail: fischer@difu.de Bestellung: siehe Bestellschein |
Neben Energiesparaktionen in den eigenen Gebäuden ergreifen einzelne Kommunen auch die Möglichkeit, solche und ähnliche Aktionen bei Akteuren anderer Handlungsfelder zu initiieren, so zum Beispiel im Handwerk oder im Dienstleistungssektor. Aufbauend auf den Erfahrungen Einzelner sammelten die Energiebeauftragten Argumente, um Unternehmen der Dienstleistungsbranche zu überzeugen, eigene Energiesparmaßnahmen zu realisieren. Die Diskussion auf dem 6. Fachkongress der Energiebeauftragten zeigte zum wiederholten Mal, dass sich Energiemanagement durchaus lohnt. Es ist jedoch nicht zum Nulltarif zu haben. Für die erforderlichen Arbeiten sind die entsprechenden finanziellen und personellen Kapazitäten einzuplanen. Darüber hinaus hängt die erfolgreiche Umsetzung des Energiemanagements auch wesentlich von der organisatorischen Einbindung der Energiebeauftragten ab. So ist es beispielsweise notwendig, dass sie ein Mitspracherecht bei laufenden Planungen und der Durchführung von Baumaßnahmen haben und so hinsichtlich der Möglichkeiten zur Energieeinsparung bei Sanierungen und Neubauten Einfluss nehmen können. Damit können Energiesparmaßnahmen innerhalb einzelner Verwaltungen wie auch zwischen Verwaltungen verstärkt koordiniert werden. In der vorliegenden Dokumentation des Fachkongresses "Energie sparen - Kosten reduzieren" aus der Reihe "Umweltberatung für Kommunen" werden nicht nur die Referate zu den einzelnen Workshops, sondern zum Teil auch Diskussionsergebnisse wiedergegeben. Diese können als Anregung nicht nur für bereits aktive Städte, sondern auch für die Städte dienen, die sich zurzeit mit dem Aufbau eines Energiemanagements befassen. |
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| Quelle: Darstellung Michael Geißler | ||
