Difu-Berichte 1/1997 - Kommunale Zeitpolitik



Die Veränderungen von Arbeits-, Betriebs- und Öffnungszeiten haben erhebliche Rückwirkungen auf die Kommunen. Sie verändern unter anderem Verkehrsströme, die Nachfrage nach Energie sowie nach öffentlichen Dienstleistungen. Da sich das Zeitgefüge der Stadt auch in Zukunft insbesondere durch die Flexibilisierung von Arbeits- und Betriebszeiten weiter ausdifferenzieren wird, gewinnt die Koordination von Zeiten ständig an Bedeutung. Die Kommune muß als Anbieter öffentlicher Leistungen auf Veränderungen, die sich aus den Arbeits- und Betriebszeiten der ortsansässigen Betriebe ergeben, reagieren. Für Kommunen zeichnet sich damit ein neues Politikfeld ab: Die Synchronisation urbaner Rhythmen.

Gleichzeitig ist die Kommune selbst ein großer Arbeitgeber und beeinflußt damit ebenfalls die städtischen Rhythmen. Darüber hinaus ist sie Betreiber einiger kontinuierlicher Dienste wie Polizei, Feuerwehr, und Krankenhäuser, deren Arbeits- und Betriebszeitorganisation im Hinblick auf die Nachfrageentwicklung in diesen Bereichen, die Interessen der Beschäftigten und betriebswirtschaftliche Belange neu zu diskutieren ist.

Vor dem Hintergrund veränderter Zeiten in der Stadt und den Umbaunotwendigkeiten der öffentlichen Verwaltung gewinnt kommunale Zeitpolitik als neues Handlungsfeld und als Gestaltungsansatz an Bedeutung. Gegenwärtig läuft mit finanzieller Förderung der Hans-Böckler-Stiftung eine Untersuchung in vier deutschen Fallstudienstädten (Bonn, Karlsruhe, Münster und Wolfsburg), die vor allem drei Fragestellungen behandelt:

   Wie organisiert die Kommune als bedeutender Arbeitgeber, die Arbeits- und Betriebszeiten für eigene Beschäftigte?
   Gibt es zwischen Betrieben, die Arbeits- und Betriebszeiten ändern, und den Anbietern öffentlicher Dienstleistungen Kooperationen?
   Wie können Kooperationen zwischen ortsansässiger Wirtschaft und der Kommune zur optimalen Gestaltung und Abstimmung von Zeiten aussehen?

Das Difu bereitet unter anderem auf der Basis der Projektergebnisse in Kooperation mit der Hans-Böckler-Stiftung für den 30. und 31. Oktober 1997 eine Fachtagung zum Thema "Kommunale Zeitpolitik" vor. Themen dieser Tagung werden unter anderem sein:

   Entwicklung von Arbeits-, Betriebs- und Öffnungszeiten,
   Modernisierung öffentlicher Dienste: Auswirkungen auf Zeiten und Städte,
   Kommunale Arbeitszeitpolitik: Ergebnisse der Difu-Untersuchung,
   Auswirkungen von Zeitveränderungen in den Bereichen Verkehr und Energie, Wirtschaft und Soziales sowie Umwelt,
   Soziale Kosten von Zeitveränderungen,
   Beispiele kommunaler Zeitkoordination aus Deutschland,
   Ansätze einer kooperativen Zeitpolitik in der Kommune.

Ziel der Tagung ist es, für das Themenfeld kommunale Zeitpolitik zu sensibilisieren, die Notwendigkeit für die Kommunen, sich mit diesem Thema zu befassen, zu belegen und erste Ansätze zu erläutern. Das endgültige Tagungsprogramm wird im Sommer versandt. Interessenten können sich bereits jetzt vormerken lassen.

Weitere Informationen:

Dr. Matthias Eberling      Telefon: 0221/3771-104
Prof. Dr. Dietrich Henckel      Telefon: 030/39001-292
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