Difu-Berichte 1/1996 - Partizipation - ein wichtiger Beitrag zum kommunalen Klimaschutz

Partizipation - Ein wichtiger Beitrag zum kommunalen Klimaschutz

Erfolg oder Mißerfolg kommunalen Handelns hängen wesentlich von der Verantwortungs- und Mitwirkungsbereitschaft der Bürger ab. Das bundesdeutsche Ziel der CO2-Reduzierung um 25 % bis zum Jahr 2005 im Vergleich zu 1990 kann allein durch kommunales Handeln auf Verwaltungsebene nicht erreicht werden. Die Teilnahme der Bürger muß über Mitsprache hinaus auch konkrete Unterstützungsleistungen einschließen, da die Kommunalpolitik auf solche Leistungen auch im Bereich des Klimaschutzes angewiesen ist. Aus der Einsicht, daß die Verantwortungs- und Mitwirkungsbereitschaft der Bürger auch im Klimaschutz begrenzt ist, suchen die Kommunen nach Strategien, diese zu stärken. In diesem Zusammenhang sind Selbstverpflichtungen ein besonders von den betroffenen Verursachern bevorzugtes Instrument zum Erreichen politisch gewünschter Ziele. Im Gegensatz zu Gesetzen und Verordnungen ermöglichen sie eine relativ große Gestaltungsfreiheit beim Durchführen zielkonformer Maßnahmen. Genau an diesem Punkt setzt die Arbeit der
Energie-Tische an. Die Bürger sollen zur Erarbeitung eigener Handlungskonzepte zum Klimaschutz angeregt und bei deren Umsetzung unterstützt werden.

Ein wichtiges Ziel der
Bundesweiten Kampagne zur freiwilligen CO2-Vermeidung bei Kommunen und Verbrauchern besteht darin, daß durch das Instrument Energie-Tisch nicht nur Haushalte, sondern auch Gewerbetreibende angesprochen werden. Durch die Energieberatungseinrichtungen in der Stadt ist es möglich, verbraucherbezogene Informationen in Haushalte zu tragen. Im Gegensatz dazu ist der Gewerbebereich aufgrund erforderlicher Spezialkenntnisse schwieriger handhabbar. Handwerker sind jedoch oftmals Ausführende von energiesparenden Techniken und können somit als Multiplikatoren für Energiesparziele fungieren.

Seit dem Frühjahr 1995 läuft die von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderte Pilotphase der "Bundesweiten Kampagne zur freiwilligen CO2-Vermeidung bei Kommunen und Verbrauchern", an der drei Modellstädte teilnehmen: Bensheim, Dessau und Heidelberg.

Im September 1995 kam der Energie-Tisch Dessau zu seiner ersten Sitzung zusammen. Die Teilnehmer dieses Tisches analysieren systematisch Möglichkeiten der Energie(kosten)einsparung für private Verbraucher, sprich Haushalte. Weil das größte Einsparpotential im Bereich des Heizenergieverbrauchs liegt, beschäftigt sich der Energie-Tisch zunächst mit diesem Teilbereich, um hier ein Projekt für die Stadt Dessau zu konzipieren.

Sowohl die Teilnehmer des Energie-Tischs in Bensheim als auch die Heidelberger arbeiten zum Thema "Bauen und Sanieren". Obwohl in Bensheim erst drei Sitzungen stattgefunden haben, zeichnet sich ab, daß auch bei gleichen Themen die Schwerpunkte der Arbeit der Energie-Tische deutlich von den stadtspezifischen Bedingungen abhängen. Die Teilnehmer des Energie-Tischs in Bensheim überlegen zur Zeit, wie es möglich ist, Bauherren zu gewinnen, ihre Häuser auf einem von der Stadt ausgewiesenen Neubaugebiet in Niedrigenergiebauweise zu errichten.

Heidelberg setzte im März 1995 als erste Stadt einen Energie-Tisch in Gang. Die Stadt Heidelberg unternimmt selbst eine Reihe von Bemühungen, energieökologisches Bauen voranzubringen. Jedoch verfügt sie gegenüber privaten Bauherren nur über begrenzte Mittel. Aus diesem Grund wurde das Thema "Bauen und Sanieren" für den Energie-Tisch ausgewählt. In dieser Runde diskutieren Vertreter aus den verschiedensten Organisationen und Einrichtungen, die mit dem Thema in Beziehung stehen, über Möglichkeiten, die Aspekte des Klimaschutzes beim Bauen und Sanieren zu berücksichtigen - nämlich die Handwerkerschaft, Architekten, Hausbesitzervereinigungen, Wohnungsunternehmen, Stadtwerke, Verbraucherzentrale, der Mieterverein, die Bürgervereinigung Energiewende und der BUND.

In der Diskussion betonten die Teilnehmer insbesondere zwei "Knackpunkte". Zum einen sehen sie ein wesentliches Hemmnis für die Berücksichtigung und Umsetzung energieökologischer Aspekte in der unzureichenden Kommunikation und Informationsvermittlung zwischen Bauherren, Handwerkern und Architekten. Zum anderen wird dieses Defizit besonders deutlich im Bereich der Altbausanierung, da hier überwiegend Maßnahmen durchgeführt werden, die weder der Baugenehmigung durch die Stadt noch der Mitarbeit eines Architekten bedürfen. Bei solchen Maßnahmen kommt es sehr stark auf die Informationsvermittlung durch die Handwerker an. Das Problem dabei besteht nach Aussagen der Handwerker selbst unter anderem darin, daß sie sich oft nicht in der Lage sehen, eine notwendige ganzheitliche Betrachtung des Sanierungsobjekts durchzuführen. Hinzu kommt, daß insbesondere auch bei den Bauherren ein Informationsdefizit - besonders deutlich im Bereich der Wirtschaftlichkeit einzelner Maßnahmen - besteht. Der oft enge finanzielle Spielraum der Bauherren wird im Bereich des Mietwohnungsbaus noch dadurch verstärkt, daß der Nutzen energiesparender Maßnahmen den Mietern und nicht den Vermietern zugute kommt. Zur Lösung der aufgeworfenen Fragen erarbeiten die Teilnehmer des Energie-Tischs ein Konzept eines gemeinsamen Beratungsangebots, in dem sowohl Handwerker und Architekten als auch bestehende Beratungseinrichtungen in der Stadt Heidelberg eingebunden sein werden.

Nach Abschluß der Pilotphase des Projekts "Bundesweite Kampagne zur freiwilligen CO2-Vermeidung bei Kommunen und Verbrauchern" wird eine Auswertung vorgenommen. Die im Lauf der Zeit gewonnenen Erfahrungen fließen in eine nächste Projektphase ein, in der weitere Kommunen die Möglichkeit haben werden, mit Hilfe des Instruments Energie-Tisch CO2-Minderungspotentiale auch außerhalb ihres direkten Zuständigkeitsbereichs zu erschließen.

Ein Großteil der Bevölkerung stellt den Klimaschutz an sich wohl kaum in Frage. Doch oftmals bestehen große Informationsdefizite, die dazu führen, daß die Bürger ihre eigenen Handlungsmöglichkeiten und deren Wirtschaftlichkeit nicht voll ausschöpfen.