Difu-Berichte 1/1996 - Migration und soziale Probleme

Workshop im Rahmen des Projektes "Entscheidungsfelder städtischer Zukunft"

Migration und demographische Prozesse sorgen in zunehmendem Maße für Zündstoff in der öffentlichen Diskussion und auf kommunalpolitischer Ebene, weil sie räumlich und sozial selektiv erfolgen und damit in einzelnen Städten oder Stadtteilen zu sozialen Problemen führen. Diese Prozesse sind als wesentliche Rahmenbedingungen für die zukünftige Entwicklung in den Städten anzusehen. Die Kommunen stehen dabei wegen der sozialen Folgen unter großem Handlungsdruck, ohne wesentlichen Einfluß auf die Rahmenbedingungen vor allem der Wanderungsbewegungen zu haben.

Um diese Prozesse näher zu beleuchten und Ansatzpunkte für kommunale Handlungsmöglichkeiten zu diskutieren, wurde im Rahmen des Difu-Projektes "Entscheidungsfelder städtischer Zukunft" von der Usbeck GmbH, Leipzig, am 27./28. April 1995 ein Workshop in Magdeburg durchgeführt. Drei Schwerpunkte wurden dabei behandelt:

    die Außenwanderung und ihre sozialen Probleme,
    die groß- und kleinräumige Binnenwanderung und ihre sozialen Probleme,
    die kommunalen Handlungserfordernisse und -möglichkeiten zur Beeinflussung des Migrationsgeschehens und zur Bewältigung der Folgen.

Zwischen den Experten und den Vertretern der Kommunen bestand Einigkeit darüber, daß keine wesentlichen Veränderungen in Ausmaß und Struktur der Außenwanderung zu erwarten sind. Notwendig erscheint aber eine aktive Einwanderungspolitik, die die Zuwanderer nicht nur "verwaltet", sondern auch Maßnahmen für ihre Integration bereithält und finanziell absichert.

Die Binnenwanderung wurde vor allem im Hinblick auf drei Aspekte dargestellt und diskutiert:

    die Wanderung zwischen alten und neuen Bundesländern,
    die interregionale Wanderung innerhalb der alten bzw. der neuen Bundesländer sowie
    die kleinräumige Wanderung (Stadt-Umland-Wanderung, innerstädtische Bevölkerungsumverteilung).

Bei der Behandlung der kommunalen Handlungsmöglichkeiten standen vor allem die Bedeutung sozialer Netzwerke sowie die räumliche Konzentration oder Entmischung ethnischer Gruppen im Vordergrund. Migration löst die sozialen Bezüge und führt damit zur Erosion sozialer Netzwerke. Wenn man solche Netzwerke jedoch als Bestandteil der Infrastruktur (informelle Infrastruktur) ansieht, weil sie einen Teil der sozialen Sicherheit darstellen, ergibt sich die Frage, in welcher Weise Kommunen diese stabilisieren und fördern können oder müssen. Die Frage ethnischer Konzentration in einzelnen Vierteln bleibt umstritten, weil keine Einigkeit darüber besteht, ob eher Homogenität oder eher Mischung von Quartieren die Integration begünstigt.

Die Vorträge und Ergebnisse des Workshops sind in der Materialienreihe des Difu veröffentlicht. Diese Veröffentlichung steht in einer Reihe mit den Dokumentationen der Workshopserie, die in Kooperation mit 14 Städten durchgeführt wird (vgl. Difu-Berichte 3/95 "Überregionale Verkehrszentralität", 4/95 "Produzierendes Gewerbe in der Stadt" und im vorliegenden Heft "Die Zukunft des Dienstleistungssektors in der Stadt"). Auch die Dokumentationen der beiden weiteren Veranstaltungen "Kommunale Finanzen" und "Medienwirtschaft und Telekommunikation" werden in der Materialienreihe erscheinen.

Weitere Informationen:

Dr. rer. soc. Dietrich Henckel      Telefon: 030/39001-2492

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