Difu-Berichte 1/1996 - Die Zukunft des Dienstleistungssektors in der Stadt
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Workshop im Rahmen des Projekts "Entscheidungsfelder städtischer Zukunft" Dienstleistungen haben für die Volkswirtschaft - nicht nur in Deutschland - eine kontinuierlich wachsende Bedeutung. Dies ist an allen relevanten Indikatoren wie Beschäftigung/Arbeitseinsatz, Wertschöpfung oder Umsätzen ablesbar. Auch für die Zukunft ist von weiteren Anteilsverschiebungen zugunsten von Dienstleistungen und zu Lasten der Produktion auszugehen. Damit muß nicht unbedingt ein quantitatives Wachstum der Beschäftigung im Dienstleistungsbereich einhergehen; auch in konjunkturellen Stagnations- oder Abschwungphasen wird der Rückgang der Beschäftigung im Produktionsbereich stärker sein als bei den Dienstleistungen. Trotz dieser Entwicklungen und Perspektiven hat der Dienstleistungsbereich in der Wirtschafts- und Regionalforschung oder in der kommunalen Wirtschaftspolitik und -förderung bislang keine annähernd vergleichbare Aufmerksamkeit gefunden wie der produzierende Bereich. Aus diesem Grund standen die Entwicklungen im Dienstleistungssektor und die
Das quantitative Wachstum des Dienstleistungssektors wird in erster Linie durch die haushalts- und personenorientierten Dienstleistungen bestimmt. Die Wachstumsraten sind allerdings bei den unternehmensorientierten Dienstleistungen höher. Da diese aber nur etwa 20 Prozent der gesamten Dienstleistungsbeschäftigten ausmachen, wirkt sich dies in den absoluten Zahlen weniger stark aus. Die Entwicklungen im Dienstleistungssektor sind durch zunehmende Polarisierungen gekennzeichnet, das heißt durch erhöhte Nachfrage und damit Beschäftigungswachstum sowohl bei den hoch wie den niedrig Qualifizierten. Vor allem durch die zunehmende Zahl niedrig qualifizierter, schlecht bezahlter Arbeitnehmer können daraus soziale Probleme erwachsen, die häufig mit Auch bei den Dienstleistungen gibt es - ähnlich wie im produzierenden Sektor - erhebliche Rationalisierungspotentiale. Gleichzeitig ist die Tendenz zu einer Die wirtschaftlichen Strukturveränderungen, neue Organisations- und Managementkonzepte (wie etwa Facility-Management) und die Entwicklungen bei den Informations- und Kommunikationstechniken haben erhebliche Auswirkungen auf die Standortwahl von Dienstleistungsbetrieben und auf die Flächennutzung in den Städten. Beispielsweise nimmt die Standortwahlfreiheit von Dienstleistungsbetrieben zu. Dennoch ist eine weitere Konzentration der höherwertigen und strategischen Funktionen auf die Kerne der Agglomerationen zu erwarten. Für die quantitative Flächenentwicklung stehen in den Städten auf absehbare Zeit ausreichend Reserven auch für qualitativ hochwertige Entwicklungen zur Verfügung (aus nicht betriebsnotwendigen Flächen der Großunternehmen und Umstrukturierungsflächen). Allerdings ist mit gegenläufigen Entwicklungen zu rechnen: Die Nachfrage nach neuen, qualitativ hochwertigen Bürobauten geht mit dem Leerstand vor allem älterer Bürobestände einher. Die Kooperation zwischen Entwicklern, Investoren und Kommunen wird in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Aufgabe der Kommune könnte dabei sein, Entwickler und Investoren aus unterschiedlichen Bereichen (Büroentwicklung, Wohnungsbau) zusammenzubringen, um Konzepte der Nutzungsmischung, die durch die Spezialisierung von Investoren schwierig sind, zu fördern. Insgesamt haben die Kommunen keine Möglichkeiten, die strukturellen Trends zu beeinflussen. Ihre Chancen bestehen jedoch darin, Voraussetzungen (Ansiedlungsbedingungen und Möglichkeiten zur Bestandsentwicklung) für eine weitere Entwicklung der Dienstleistungen, der Verknüpfung von Produktion und Dienstleistungen und der Vernetzung mit anderen kommunalen Handlungsfeldern - wie beispielsweise der Arbeitsförderung und der Sozialpolitik - zu schaffen. Handlungskonzepte der Städte dürfen sich dabei keinesfalls nur auf die unternehmensorientierten Dienstleistungen ausrichten. Augenmerk sollte beispielsweise auch auf quartierbezogene, soziale Dienstleistungen gelegt werden. Entsprechende Konzepte haben in mehrerlei Hinsicht positive Wirkungen: Sie tragen zu einer sozialen Stabilisierung in den Stadtteilen bei, sie schaffen in gewissem Umfang Erwerbsmöglichkeiten und es können Dienste bereitgestellt werden, die heute nicht mehr wie früher durch die Familien oder sozialen Netze erbracht werden. Die Sorge vieler Städte, daß die wirtschaftliche Basis durch die Schrumpfung des produzierenden Sektors immer mehr schwindet und der - wie häufig zu Unrecht behauptet wird - Zwar ist ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Produktion und Dienstleistungen schon allein deswegen wünschenswert, weil die wirtschaftlichen Entwicklungsbedingun-gen durch die positiven, wechselseitigen Effekte zwischen Industrie und unternehmensorientierten Dienstleistungen gestärkt werden. Doch gilt diese Tatsache nicht im engen städtischen Zusammenhang, sondern vor allem im regionalen Rahmen (wobei Die Vorträge und Ergebnisse des Work-shops werden in der Materialienreihe des Difu veröffentlicht. In der Publikation sind die Beiträge aller Referenten enthalten (u.a. von Hartmut Häußermann, Franz-Josef Bade und Klaus Brake) sowie Berichte aus verschiedenen Städten (Berlin, Bremen, Dresden, Hannover und Mannheim). Der Workshop gehört zu einer Folge von Veranstaltungen, die in Kooperation mit 14 Städten durchgeführt wird (vgl. auch Difu-Berichte 3/95 "Überregionale Verkehrszentralität", 4/95 "Produzierendes Gewerbe in der Stadt" und im vorliegenden Heft "Migration und soziale Probleme"). Auch die Ergebnisse zu den beiden weiteren Veranstaltungen, zum Thema Kommunalfinanzen und Telekommunikation werden in der Materialienreihe veröffentlicht.
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