Difu-Berichte 1-2/2005 - Mobilität und Siedlung 2050

Neues Forschungsprojekt zur Erarbeitung von Mobiliätskennziffern und Szenarien für die Planung einer künftigen Siedlungsentwicklung

Die Siedlungs- und Verkehrsentwicklung der vergangenen Jahrzehnte war durch Zersiedelung und stetiges Verkehrswachstum geprägt. Die Entwicklung Deutschlands hin zu einer alternden Gesellschaft mit sinkender Einwohnerzahl stellt die öffentliche Hand im Bereich Siedlungsstruktur und Verkehr vor die Frage, welche politischen Folgerungen sich aus den sich verändernden Rahmenbedingungen ergeben. Als Grundlage für die Entwicklung angepasster Mobilitäts- und Siedlungskonzepte sollen deshalb für den Zeitraum bis 2050 Mobilitätskennziffern und Szenarien der Siedlungsentwicklung erarbeitet werden. Das im Rahmen des Forschungsprogramms Stadtverkehr des Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen (BMVBW) durchgeführte Projekt wird gemeinsam mit dem IWH (Institut für Wirtschaftsforschung Halle) und einem Konsortium aus TRAMP GmbH Magdeburg, Omniphon GmbH Leipzig und TU Dresden erarbeitet. Das IWH wird eine regional differenzierbare Wirtschaftsprognose für das Jahr 2050 liefern. Omniphon und die TU Dresden werden für die vom Difu federführend konzipierten Szenarien quantitative Schätzungen zur Verkehrsnachfrage und zum Verkehrsaufkommen erarbeiten. Neben der Modellierung gehört die Szenarienbildung zum zentralen methodischen Ansatz des Forschungsvorhabens. Zukünftige Handlungsentscheidungen können nur auf der Grundlage komplexer Darstellungen und Gegenüberstellungen möglicher Situationen getroffen werden. Dabei werden sich die zukünftige Bevölkerungs-, Arbeitsmarkt- und Wohnungsmarktentwicklung ebenso auf die Angebotsqualität und auf die Nachfrage- und Sozialstruktur auswirken, wie beispielsweise neue Bedürfnis- und Verhaltensmuster oder andere gesellschaftliche Trends. Die Szenario-Technik als primär qualitativ vorgehende Technik der raumbezogenen Zukunftsforschung hat sich in komplexen Planungsprozessen mit unsicheren Entwicklungspfaden und einem langfristigen Betrachtungshorizont bewährt. Die Szenarien werden auf der Basis einer Auswertung vorliegender empirischer Daten - aufbauend auf vorhandenen Bevölkerungs- und Siedlungsprognosen entwickelt. Es ist vorgesehen, einem Szenario mit starker staatlicher Steuerungsfunktion ein Szenario mit zurückgenommenem Anspruch an die Intensität staatlichen Handelns gegenüberzustellen. Die Szenarien sollen die möglichen Bandbreiten der effektiv beeinflussbaren Faktoren abbilden. Die Szenarienkonzeption erfolgt auf der Basis einer Quellenanalyse sowie Expertengesprächen, z.B. zu folgenden Fragen:

  • Welche Folgen werden die zu erwartenden demografischen Veranderungen auf kurz- und langfristige Verkehrsmittelwahlund Mobilitatsentscheidungen haben? Wie wirken sich potenziell schrumpfende Stadte und eine alter gewordene Bevolkerung aus?
  • Gibt es Anhaltspunkte dafur, dass sich bislang relativ stabile Kenngrosen in Zukunft verandern werden und wie sind diese Veranderungen zu quantifizieren?
  • Welchen Einfluss haben die Grundszenarien auf die Rahmenbedingungen zur Finanzierung von Verkehrswegen und offentlichem Verkehr durch die Kommunen bzw. durch Bund und Lander (Investitionen, Unterhaltung, Betrieb)?
  • Wie werden sich Grundzuge und Rahmenbedingungen staatlicher Handlungsoptionen in siedlungs- und mobilitatsrelevanten Bereichen (Wirtschaft, Finanzen, Raumordnung) im Spannungsfeld von Globalisierung, Liberalisierung und demografischer Entwicklung zukunftig darstellen?

Das Projekt wurde im November 2004 gestartet und soll Mitte 2006 abgeschlossen werden.

Weitere Informationen: 

Dipl.-Volkswirt Tilman Bracher
Telefon: 030/39001-260
E-Mail:
bracher@difu.de